In Zukunft werde ich in loser Reihenfolge Interviews mit Fotografen, ambitionierten Hobbyfotografen oder mit Menschen, die einfach nur Spaß am knipsen haben führen. Für mich ist es immer wieder spannend, was Menschen der Fotografie abgewinnen und was sie dazu führt, Momente für die Ewigkeit in einem Foto festzuhalten. Heute darf ich mit Jörg Langer sprechen, wir teilen u. a. die Gemeinsamkeit, dass wir die Nikon 1V1 testen durften. Das könnte evtl. zu einem späteren Zeitpunkt noch mal ein Thema zwischen Jörg und mir werden.

Thorsten:
Hallo Jörg, danke dass Du Dich bereit erklärt hast, ein paar Fragen für mich zu beantworten. Stell Dich doch bitte kurz vor.
Jörg:
Ach Herrje, was sage ich jetzt nur zur Vorstellung um es nicht zu klassisch zu machen und mit „Mein Name ist…“ anzufangen? Ich fange deswegen mal von hinten an!
Ich liebe Fototaschen! Ich habe nie die richtige davon. Ich liebe die Fotografie weil sie mir hilft meinen stressigen Alltag im Marketing einer großes IT Konzerns hinter mir zu lassen und mich komplett auf das Einfangen eines wunderbaren Moments – dem des klick – zu konzentrieren und damit Augenblicke festzuhalten für die Ewigkeit. Wenn diese Momente noch Menschen beinhalten und dan sogar deren Hochzeiten, dann ist mein Ausgleich und meine Leidenschaft auf dem Höhepunkt. Mein Lebensmittelpunkt sind meine beiden wunderbaren Töchter und meine Frau und unser kleiner WauWau namens Pixel (das sagt doch alles – oder?)
Achso, ich höre seit 40 Jahren auf den Namen Jörg
.
Thorsten:
Wo kann man Deine Fotos bewundern? Hast Du eine eigene Website, einen Flickr-Account oder andere Social-Kanäle?
Jörg:
Ja die Vielfalt der Medien ist groß… ich nutze einiges an Medien – so auf Flickr und andere. Am einfachsten findet Ihr alles auf meiner About.me Page (http://about.me/joerg.langer) und dort sauber verlinkt. Das „Dies und Das“ aus meinem leben blogge ich auf http://www.Digitaler-Augenblick.de.
Thorsten:
Wie bist Du zur Fotografie gekommen und seit wann fotografierst Du?
Jörg:
Ja, daran ist eindeutig mein Papa schuld. Er hat mir das Klick in die Gene gelegt, wobei er nie so intensiv fotografiert hat und auch das heute noch nicht tut, wie ich es gerne tue, aber er schenkte mir mit etwa 6 Jahren seine alte Spiegelreflex, eine Pentax Spotmatic, als er zum 20sten Firmenjubiläum eine neue geschenkt bekam. Bevor Ihr den Finger in die Wunde legt, die sehr tief ist, beantworte ich Euch die Frage ob ich meine erste Kamera noch habe gleich mit einem traurigen „Nein… seufz, leider nein!“
Thorsten:
Hast Du einen Schwerpunkt? Was fotografierst Du am liebsten?
Jörg:
Ich habe einen eindeutigen Schwerpunkt! Der ist direkt über’m Gürtel und nennt sich Bauch! Ach, das war nicht die Frage… OK. Ja in den letzten Jahren hat sich eindeutig die Hochzeits- und Peoplefotografie in meiner Fotografie durchgesetzt und diese Leidenschaft ist nicht nur in mir, sondern gleichermaßen bei meiner Frau angekommen, und das ist das wirklich wunderbare, da wir bei nahezu allen Shootings und Hochzeitsemotionen-Reportagen zusammen aktiv sind. So fehlt es mir nie an peinlichen Making Of Bildern dank meiner lieben Frau und wir haben gerade bei den Hochzeitsreportagen den Vorteil sehr oft im selben Augenblick zwei Blickwinkel des selben Moments auf unseren Speicherkarten zu finden. Und für uns gibt es nichts schöneres als eine vor Glück weinende Braut aus zwei verschiedenen Blickwinkeln.
Thorsten:
Schwerpunkttechnisch haben wir dann wieder etwas gemeinsam – Hast Du ein Lieblingsbild, das Du uns vielleicht zeigen möchtest?
Jörg:
Ich habe ein paar Lieblingsbilder, ja auf jeden Fall. Ich habe aber nicht DAS eine Bild das „über“ allen anderen steht. Das sind jedes Jahr so um die 3-7 Bilder die ich als wirklich TOP betrachte und diese Quote finde ich sehr gut bei etwa 150.000 Auslösungen im Jahr die mein Frauchen und ich so durchziehen. Im letzten Jahr war es u.a. dieses Bild hier:
Thorsten:
Sehr schön, gefällt mir! Verrätst Du uns einen kleinen Trick, den Du gerne anwendest und der Dir evtl. hilft, schönere Fotos zu machen?
Jörg:
Ich habe in Sachen Fotografie keine Geheimnisse und halte im Übrigen auch nichts von anderen Fotografen die meinen sie dürfen nicht über Ihre Arbeit sprechen, weil sie Angst haben nachgeahmt zu werden. Ein guter Freund und sehr erfolgreicher Hochzeitsfotograf sagte mal zu mir „Jörg, wenn Dich einer nachmacht, hast es geschafft!“, und das sehe ich genauso und spreche gerne darüber wie Bilder entstehen. Ich habe keine speziellen Tricks auf Lager, außer dem unermüdlichen Willen immer und immer wieder mal etwas neues auszuprobieren um in der eigenen Entwicklung auf keinen Fall stehen zu bleiben und sich immer weiter dem öffentlichen Benchmark zu stellen. Generell gilt: Offenblende, Offenblende, Offenblende und so ungestellt, natürlich und ehrlich wie möglich! Das ist mir wirklich wichtig. Gestellte Bilder und noch schlimmer Studio-People-Bilder mag ich gar nicht! Ich möchte nicht schlecht machen was sehr viele machen und es auch selbst mögen, ich selbst mag es nur gar nicht und mache es deswegen auch nicht mehr. Generell mache ich und fotografiere ich nur das, was mir auch wirklich Spaß macht.
Thorsten:
Welches Equipment verwendest Du bzw. wie schaut Deine Ausrüstung aus?
Jörg:
Ich habe früh angefangen mit Pentax, bin dann später Analog zu Canon gewechselt und habe meine digitalen Bilder angefangen als ich mir im Jahr 2000 von einer netten Sonderzahlung eine Olympus E10 mit samten komplett verfügbaren Zubehör gönnte. Mit dieser damals wundervollen Kamera entfachte die Fotografie wieder neu in mir.
Nachdem ich Olympus E10 und E20 lange genutzt habe, bin ich auf Canon EOS Digital umgestiegen und das für fast 7 Jahre lang. Aufgrund einer damals total schwachsinnigen Aussage des Canon Profi Service habe ich innerhalb von 24 Stunden alles von Canon verkauft und bin aus Trotz auf Nikon umgestiegen. Dieses war wirtschaftlich im Nachhinein eher „gewagt“ (ich muss aufpassen, könnte ja meine Frau mitlesen *ggg*), aber ich habe es bis heute nicht bereut.
Ich habe früher nie mit Mittelformat oder Großformat gearbeitet. Das habe ich in den letzten Jahren nachgeholt und so habe ich auch mit Hasselblad 6×6, Mamiya 6×7, Mamiya 6×4,5 erfahrungen sammeln dürfen. Danke einem sehr guten Freund durfte ich zu Beginn dieses Jahres auch meine ersten Großformat Erfahrungen sammeln und seine Arca Swiss Monorail 4×5“ steht noch bei mir im Keller und wartet auf ein wenig mehr Freizeit um jetzt im Frühjahr wieder Ausgang zu bekommen. Eine wunderbare entschleunigte Art der Fotografie, wie ich finde.
Die „freakigen“ Bilder mit der Polaroid mag ich auch sehr und habe drei dieser klassen „Teile“ in mein Equipment retten dürfen.
Ansonsten fotografiere ich auf Hochzeitsemotionen-Reportagen mit Nikon D3s, D3 und D700 mit Zooms und Festbrennweiten. Die D4 und die D800 werde ich aus heutiger Sicht überspringen und erst bei D5 und D900 wieder einsteigen in den Run ums neueste Equipment, denn nicht jedes Bild wird automatisch besser nur weil man im Run um die neusten Errungenschaft der Technik ganz vorne dabei ist.
Außerhalb der Hochzeiten auch sehr sehr gerne mit meiner insgeheimen Liebe, der Leica M9. An dieser Messucherkamera nutze ich 21, 35 und 75mm Festbrennweiten. Die Arbeit mit der M9 ist wie eine Sucht und eine wunderschöne Droge. Dazu habe ich mir vor kurzem noch eine analoge M6 gegönnt und stehe total darauf mit der M6 und dem 35er durch die City zu laufen und sich auf eine ISO Zahl und 36 Aufnahmen zu reduzieren. Weniger ist oft viel mehr!
Ansonsten habe ich immer mal wieder ein paar Kompakte zum spielen und testen, so wie im Moment die Nikon 7100, die Nikon V1 und die Sony Nex-5n. Ich denke, das gerade in diesem Segment noch sehr viel an Entwicklung in den nächsten Jahren passieren wird und dadurch uns als Anwendern die Spannung so schnell nicht ausgehen wird.
Thorsten:
Jörg, nochmals vielen Dank, dass Du dich für dieses interessante und ausführliche Interview bereit erklärt hast. Für weitere fotografische Entwicklungen wünsche ich Dir viel Erfolg und immer gutes Licht!
Jörg:
Sehr sehr gerne lieber Thorsten, habe mich sehr über Deine Interview Anfrage gefreut. Aber sei Dir sicher, das machen wir „andersherum“ auch demnächst
. Schöne Grüße an alle die das Lesen aus dem wunderschönen Taunus – Euer Fotofuzzy Jörg Langer



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